Stuttgarter Sportgespräch.Unser Ziel.

Das Stuttgarter Sportgespräch ist ein unabhängiges Denk- und Diskussionsforum für Vordenker und Entscheidungsträger aus Sport, Politik, Kultur, Wirtschaft, Medien und Justiz. Herausragende Vertreter auf dem Podium und unter den Teilnehmern diskutieren über ein aktuelles Thema und vermitteln Denkanstöße für Sportler, Trainer, Verbände, Vereine, Sportpolitiker, Manager, Medienvertreter und Wissenschaftler. Anspruch der Akteure ist eine fundierte fachliche Auseinandersetzung mit dem Ziel, dem Sport innovative Impulse zur Problemlösung zu vermitteln und Raum für neue Perspektiven zu eröffnen.

Deutschland ohne Olympisches Feuer ?!
12. Stuttgarter Sportgespräch
1. Februar 2016

Film zum Sportgespräch

Das Stuttgarter Sportgespräch hat mit seinen bisherigen Veranstaltungen vom Start in 2007 an außerordentlich positive Resonanz erfahren. Die in den Referaten und Diskussionsrunden erarbeiteten Erkenntnisse wirken sich prägend in der Entwicklung von Sportpolitik und Sportrecht aus.


12. Stuttgarter Sportgespräch

12. Stuttgarter Sportgespräch – „Deutschland ohne Olympisches Feuer?!“

Es gibt eine Perspektive für Olympia in Deutschland – zu gegebener Zeit. So lautete ein Fazit des zwölften Stuttgarter Sportgesprächs mit DOSB-Präsident Alfons Hörmann, Staatsrat Christoph Holstein aus Hamburg und Professor Dr. Gunter Gebauer aus Berlin unter der Moderation von Jens Zimmermann.
Analyse des Hamburger Olympia-Referendums. Der für die Olympiabewerbung zuständige Staatsrat der Freien und Hansestadt Hamburg Christoph Holstein schilderte, welche Bemühungen Hamburg bei seiner Bewerbung für die Olympischen Spiele 2024 entfaltet hatte. Im Ergebnis sei das Referendum im November 2015 an einer ungünstigen Gemengelage gescheitert. Alfons Hörmann sah die Terroranschläge von Paris, den FIFA-Korruptionsskandal, die aufkommenden Vorwürfe im Zusammenhang mit der Fußball-WM-Bewerbung 2006, aber auch die unklare Finanzierung als entscheidend an. „Jeder einzelne Faktor genügt, um die fehlenden eineinhalb Prozent zu erklären“, sagte Hörmann. Professor Gebauer gab zu Bedenken, Hamburg habe die Besonderheit und die Emotionalität Olympischer Spiele nicht genügend in den Vordergrund gestellt: „Es bedarf Verrücktheit, um Olympische Spiele zu organisieren“. Gebauer verwies auf den Londoner Bürgermeister Johnson, der die Verrücktheit und Begeisterungsfähigkeit mitgebracht habe, um die Olympischen Spiele nach London 2012 zu holen. Olympische Spiele seien Ausdruck einer Hochkultur, der Gedanke der Gemeinschaft der Völker sei nach wie vor bestechend. Demgegenüber seien in Hamburg eher Aspekte der Stadtentwicklung in den Vordergrund gestellt worden. Hörmann konterte, nach der gescheiterten Olympiabewerbung in München und Garmisch-Partenkirchen sei der Vorwurf erhoben worden, man habe die Sachargumente zu wenig in den Vordergrund gestellt. Diesen Fehler habe man in Hamburg vermeiden wollen. Man habe daher durchaus auch technische und infrastrukturelle Argumente ins Feld geführt und die Bürgerschaft so umfassend und fundiert wie möglich informiert. Dies sei, so Hörmann, vielleicht nicht in allen Punkten hinreichend gelungen, etwa in der Klärung der möglichen finanziellen Belastungen: Die Bürger Hamburgs – nicht nur die sprichwörtlichen Hamburger Kaufleute – könnten gut rechnen. Sie wollten gerne erklärt haben, wie Olympia finanziert werde. Hier habe es sich ausgewirkt, dass der Zeitraum zwischen Fertigstellung des Bewerbungskonzeptes und der Klärung der Finanzierung durch den Bund knapp bemessen gewesen sei. Der Bund seinerseits sei in der Bewerbungsgesellschaft als Gesellschafter aktiv gewesen und habe zehn Millionen Euro eingebracht. Christoph Holstein bewertete das Themenumfeld für das Referendum in Hamburg ebenso wie Hörmann als ungünstig. Doch sei man nicht nur an „großen“, sondern auch – oder vielleicht sogar in erster Linie – an „kleinen“ Themen gescheitert: Viele Menschen in Hamburg mit teilweise hohem, jedenfalls aber gesichertem Lebensstandard hätten Veränderungen in ihrem persönlichen Umfeld befürchtet: „Die Selbstgenügsamkeit ist sehr hoch, den Leuten ging es in den Diskussionen um Grünstreifen und Geranien“, so Holstein. Dass eine große Idee wie Olympia an solchem Kleinmut scheitere, sei bedauerlich, aber letztlich zu akzeptieren. Für alle Helfer und Unterstützer, die sich mit großem Einsatz für Olympia in Hamburg engagiert hätten, sei das Scheitern des Referendums bitter gewesen. Dies gelte auch für ihn persönlich: „Nach verlorenen Wahlkämpfen habe ich nie geweint“, sagte Holstein über die Stunden nach dem Referendum. Zugleich zeigte er sich professionell und zuversichtlich: „Man muss nun nach vorne blicken – Olympia hat auch in Deutschland nach wie vor eine Perspektive!“. Einig waren sich die Diskutanten, dass der Zeitpunkt des Referendums im November nicht glücklich gewesen sei. „Der DOSB wollte eine Abstimmung zwei Wochen nach den Olympischen Spielen in Rio“, erklärte Hörmann. Berlin und Hamburg hätten aber signalisiert, dass man solange nicht warten könne. Nun sei der Spätherbst ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt, um über Olympische Sommerspiele abzustimmen; eine vorgezogene Abstimmung im Sommer 2015 – etwa nach den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Peking – wäre besser gewesen, sei aber daran gescheitert, dass die rechtlichen Voraussetzungen für das Plebiszit einen längeren zeitlichen Vorlauf Zeit beansprucht hätten. Olympia in der Sinnkrise? Professor Gebauer attestierte den Olympischen Spielen eine Sinnkrise: Das schlechte Image einiger Gastgeberländer habe Olympia in den letzten Jahren in Misskredit gebracht. Gebauer verwies auf den Umstand, dass Russland kurz nach der Schlussfeier der Olympischen Spiele in Sotschi 2014 die Krise in der ukrainischen Krim ausgelöst habe. Unter solchen Aktionen und ähnlichem Gebaren anderer Gastgeberländer leide der symbolische Wert der Spiele erheblich. Hinzu komme, dass sich junge Menschen anderen Sportarten zuwendeten und Olympia unter Jugendlichen teilweise als veraltet und langweilig gelte. Hörmann griff diese Kritik auf und betonte, der organisierte Sport müsse sich der Herausforderung stellen und das Image der Olympischen Spiele verbessern. In dieser Richtung habe IOC-Präsident Dr. Thomas Bach mit dem Exekutivkomitee des IOC schon viel auf den Weg gebracht. Auf den Hinweis Professor Gebauers, die heutige Jugend verfolge andere Sportarten erwiderte Hörmann, dass sich Olympia ständig wandle und den Gegebenheiten der Zeit anpasse. Es sei aber im Kern eine Sport- und keine Show-Veranstaltung. Dass die Olympischen Spiele hoch attraktiv seien, zeige die Begeisterung vor Ort, aber auch das ungebrochene und wachsende Interesse der Wirtschaft. Im einleitenden Impulsreferat hatte Rechtsanwalt Dr. Christoph Wüterich die Frage aufgeworfen, ob Olympische Spiele in westlichen demokratischen Gesellschaften noch mehrheitsfähig sind. Er verwies darauf, dass sich auch Oslo, St. Moritz und Davos in jüngster Zeit gegen Bewerbungen entschieden hätten. „An Austragungsorte wie Peking, Sotschi, Pyeongchang und den neuen Sportgroßveranstalter Katar mit Handball- und Fußball-WM wird sich der sportinteressierte Zeitgenosse wohl auf Dauer gewöhnen müssen“, so Wüterich. Die Krise habe vielfältige Ursachen: Offensichtlich seien sportimmanente Faktoren wie fehlendes Vertrauen in die Sportorganisationen und in die Nachhaltigkeit der mit Olympischen Spielen oftmals verbundenen städtebaulichen und infrastrukturellen Veränderungen. Darüber hinaus wüchsen Zweifel am Sinn des extremen Leistungssports mit allen einhergehenden (Gesundheits-) Gefahren und (Manipulations-) Versuchungen. Vielleicht aber, so Wüterich, zeige sich im Sport auch eine Krise der Gesellschaft; vielleicht entfalteten – etwa aufgrund gestiegenen Lebensstandards – übergreifende, sinn- und gemeinschaftsstiftende Veranstaltungen keine große Bedeutung mehr. Auch das mit dem gestiegenen Wohlstand einhergehende Besitzstandsdenken und die struktur-konservative Furcht vor Veränderungen stehe in westlichen Gesellschaften Olympischen Spielen im Wege. Christoph Wüterich zitierte in diesem Zusammenhang den früheren Stuttgarter Oberbürgermeister Manfred Rommel: „Es wird immer schwerer, etwas zu tun und immer leichter, etwas zu verhindern.“ Möglicherweise sei das Bedürfnis der Menschen nach gemeinsamen, emotionalisierenden und sinnstiftenden Erlebnissen auch durch die „quasi-religiösen Dienste im Fußballtempel“ ausreichend bedient. Zum zwölften Stuttgarter Sportgespräch hatte Rechtsanwalt Dr. Marius Breucker eingangs über 300 geladene Gäste aus Sport und Gesellschaft, Kultur, Medien, Wirtschaft und Justiz begrüßt. „Das wichtige an den Olympischen Spielen ist nicht zu gewinnen, sondern daran teilzunehmen, denn das Entscheidende im Leben ist es nicht, andere zu besiegen, sondern sein Bestes zu geben“, zitierte er den Begründer der neuzeitlichen Olympischen Spiele, Pierre de Coubertin. Dies könne durchaus auch als Motto des Stuttgarter Sportgesprächs gelten: Auch hier gehe es um den Wettstreit guter Argumente, aber nicht, um gegeneinander zu gewinnen, sondern um miteinander zu weiterführenden Erkenntnisse zu gelangen, so Marius Breucker. Im Sportler-Interview betonte Felix Franz, Deutscher Meister über 400 m Hürden, den hohen Stellenwert von Olympia. Nach wie vor sei es für jeden begeisterten Sportler das höchste Ziel, einmal an Olympischen Spielen teilzunehmen. Olympia im eigenen Land sei eine besondere Motivation. Vor allem für Kinder und Jugendliche sei die identifikationsstiftende Wirkung von Olympischen Spielen nicht zu unterschätzen. „Ich bedaure sehr, dass die Bewerbung für deutsche Olympische Spiele in Hamburg gescheitert ist“, so Felix Franz im Gespräch mit Jens Zimmermann. In der an die Podiumsrunde anschließende Diskussion warf Olympiasieger Dieter Baumann im Zusammenhang mit der Glaubwürdigkeitskrise internationaler Sportorganisationen die Frage auf, wie DOSB-Präsident Alfons Hörmann angesichts bekannt gewordener Vorgänge um den Präsidenten des Welt-Leichtathletikverbandes Lamine Diack die Rolle eines führenden Leichtathletikfunktionärs wie Professor Dr. Helmut Digel im IAAF-Council bewerte. Hörmann erklärte, Helmut Digel habe als Verantwortlicher der Marketingkommission des Weltleichtathletikverbandes Kenntnis von Verträgen mit dem Sohn des Präsidenten gehabt, was so nicht zu verantworten gewesen sei. Wenn Helmut Digel öffentlich von ihm aufgrund seiner Kritik eine Entschuldigung verlange, so sei es wohl eher an Digel, sich beim organisierten Sport zu entschuldigen, so Hörmann. Der Präsident des Deutscher Turnerbundes, Rainer Brechtken, wies im Zusammenhang mit den gescheiterten Olympiabewerbungen in München und Hamburg auf gesellschaftliche Gestaltungsdefizite hin: Regelmäßig sei es nur etwa ein Drittel der Gesellschaft, welches die Zukunft aktiv gestalten wolle. Man müsse sich zunehmend fragen, wie die übrigen zwei Drittel oder jedenfalls eine Mehrheit der Gesellschaft von der Notwendigkeit der Zukunftsgestaltung überzeugt werden könnten. Für die Deutsche Olympische Gesellschaft (DOG) regte der langjährige Moderator des Stuttgarter Sportgesprächs, Dr. Andreas Wagner, eine vertiefte Analyse der Konzeption der Bewerbung und der Ursachen des Scheiterns an. Der Hinweis auf eine „schwierige Gemengelage“ im Zeitpunkt des Referendums möge berechtigt sein, genüge aus seiner Sicht aber nicht dem Anspruch an eine fundierte Analyse. DOSB-Präsident Alfons Hörmann griff diesen Vorschlag auf und erklärte die grundsätzliche Bereitschaft des DOSB, an einer weitergehenden Analyse mitzuwirken, wenn die Deutsche Olympische Gesellschaft hierzu die Initiative ergreife. Beim anschließenden Stehempfang setzten die Teilnehmer des Sportgesprächs die begonnenen Diskussionen fort, darunter der Präsident des Deutschen Skiverbandes, Dr. Franz Steinle, der für Olympia zuständige Abteilungsleiter Sport im Bundesministerium des Innern, Gerhard Böhm, der Präsident des Deutschen Hockeybundes, Wolfgang Hillmann, der Präsident des Rasenkraftsport- und Tauziehverbandes Gunter H. Fahrion und der ehemalige Präsident des Deutschen Handballbundes Bernhard Bauer, der zugleich die Glückwünsche zum Gewinn der Europameisterschaft durch die deutsche Handballnationalmannschaft in Polen entgegennehmen durfte. Aufgrund der gestiegenen Resonanz fand das Sportgespräch erstmals in der „SpardaWelt“ nahe des Hauptbahnhofs statt. Das 13. Stuttgarter Sportgespräch ist für den 30. Januar 2017 geplant.
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Sport

„Religion, ebenso wie Kunst, Sport oder Magie, ja, alle Kultur kommt aus dem Spiel“. Johan Huizinga, Homo ludens. Vom Ursprung der Kultur im Spiel, 1938.

Sportpolitik

„Sport has the power to change the world. It has the power to inspire, the power to unite people in a way that little else does. It speaks to youth in a language they understand. Sport can create hope, where once there was  only despair. It is more powerful than governments in breaking down racial barriers. It laughs in the face of all types of discrimination. Sport is the game of lovers“. Nelson Mandela, Laureus World Sports Awards, 2000

Sportrecht

„Autonome Spielregeln und staatliche Gesetze – das Sportrecht bestimmt diese beiden, sich überschneidenden Rechtskreise“

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